Die Blaue Zone


Die Blaue Zone zieht Kreise

Erfolgreiches Sommercamp für Menschen ab 55 Jahren

Ein großes Banner am Zaun der Weserterrasse weist den Weg: Die Blaue Zone weilt in Polle.
Drei Tage dichtes Programm für Menschen ab 55 Jahren. Das Kulturcamp beschäftigte sich mit Themen des Alterns.“Wir möchten Menschen aus Stadt und Land erreichen“, so Dörte Redmann vom Organisationsteam, „und sie einladen, gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern über ein gutes Leben im Alter zu arbeiten und zu philosophieren.“ Hanne Bangert, die ebenfalls zu den Organisatorinnen gehört, weist strahlend über den Platz: „Wir sind begeistert über den Zuspruch.“ Über 60 Menschen verteilen sich in Workshops unter roten Pavillons, schnippeln und kochen unter freiem Himmel, zeichnen an der Weser oder probieren sich aus an selbstgebauten Musikinstrumenten.

Auch die dritte im Team, Susanne Müller-Jantsch, äußert sich begeistert: „Im Workshop zum Thema Wohnen im Alter möchten sich die Leute vernetzen. Die einen wohnen auf dem Land und haben viel Platz, die anderen wohnen in der Stadt und sehnen sich nach Weite.“Ulla Nentwig aus Hannover und Clemens Kappen aus Bodenwerder haben als Künstler-Duo eine Gruppe angeregt, Plätze und Wege mit geschärften Blick zu sehen und zu fotografieren. Wo die Fotos entstanden sind, haben die Teilnehmenden die Kreise aufgemalt. Jeden Morgen setzte Dieter Schmidt, Qigong Kursleiter aus Golmbach, mit der Fähre über, um für die Beweglichkeit der Camp Bewohner zu sorgen. Im offenen Atelier inspirierte der Karl Repfennig dazu, in freier Natur zu zeichnen. Der Künstler arbeitet sonst in seinen Räumen auf Schloß Bevern. Draußen unterwegs war ebenfalls die Künstlerin Elisabeth Brügger aus Höxter. Ihre Gruppe sammelte Treibgut und kreierte daraus Installationen. Während der Regenphase entstanden in diesem Workshop außerdem Gedichte, die am Lagerfeuer abends vorgetragen wurden. Die Präsentation der Theatergruppe, angeleitet von Coco Rohwer, überraschte mit einer skurrilen und humorvollen Szenenfolge. Die Musiker und Klangkünstler Erich Tietzel und Holger Kirleis komponierten mit einem Dutzend Teilnehmerinnen lautmalerische Stücke über die Weser. Hölzerne Klangobjekte und ein Fahhrad dienten als Instrumente. Diese kamen nochmals zum Einsatz bei der Begleitung einer Tanzimprovisation, die von Ilona Nasemann angeleitet wurde.

Lebenslanges Lernen, Gemeinschaft, Bewegung, gesunde Ernährung, Kunst und Kultur und die Verwurzelung an einem schönen Ort, das sind die Kennzeichen der sogenannten blauen Zonen. Weltweit gibt es davon fünf. Im Jahr 2017 enstand in Hannover das Projekt Die Blaue Zone, getragen von den Kultureinrichtungen Pavillon und Spokusa e.V. „Wir haben 2017in Hannover die sechste Blaue Zone ausgerufen und 2019 in Polle die siebte blaue Zone. Und wir kommen sehr gerne wieder!“, so die Projektleiterinnen.

                              

 

Was ist eine Blaue Zone?

Weltweit gibt es fünf blaue Zonen – das sind Gebiete in denen besonders viele Menschen sehr alt werden und dabei gesund und glücklich leben:

die Insel Okinawa, die Nicoya Halbinsel bei Costa Rica, die Ostküste Sardiniens,
die Insel Ikaria in Griechenland und Loma Linda bei Los Angeles.

Wissenschaftler*innen haben die Gemeinsamkeiten dieser Gebiete erkundet, um die Bedingungen für langes und gutes Leben herauszufinden. Neben der Ernährung und Bewegung ist es auch wichtig, Tage mit Sinn zu verbringen, sich zu betätigen, Freundschaften zu pflegen und in einer guten Gemeinschaft zu leben.

Die Blaue Zone in Hannover

Diese Erkenntnis veranlasste die Projektträger SPOKUSA e.V. und Kulturzentrum Pavillon/ BI Raschplatz e.V. mit weiteren Partner*innen nachhaltige Angebote für Menschen ab 55 Jahren mit dem Titel „Die Blaue Zone“ zu entwickeln. Dabei werden die Erkundung des Alters und die neuen gesellschaftlichen Bedingungen zum Altsein als ein Abenteuer betrachtet. Noch nie vorher gab es so viele Menschen, die einen so langen Ruhestand genießen können. Es geht um die Erforschung eines neuen Terrains, um Fragen nach Sinnhaftigkeit, nach Gesundheit, nach Spaß, Geld und Wohnen.

Ein Expert*innenteam, bestehend aus älteren Menschen und das Platzprojekt aus Hannover waren ab dem Winter 2016 in die Programmentwicklung involviert. Schließlich fand im Sommer 2017 ein vierzehntägiges Kulturcamp am Kulturzentrum Pavillon statt, das mit über 350 Teilnehmer*innen überaus erfolgreich verlief und auch medial große Aufmerksamkeit erfuhr.

In der Folgezeit bildeten sich selbstorganisierte Gruppen, die sich bis heute treffen: eine Wohnprojektgruppe, eine Philosophiegruppe, eine Kochgruppe, das Blaue Atelier. Der Blaue Lesekreis ist gerade neu hinzugekommen. Zur Vernetzung wird regelmäßig das „Blaue Dinner“ angeboten.  Hier treffen sich die Leute, tauschen sich aus, verabreden sich für gemeinsame Unternehmungen und alle essen zusammen.

In 2018 fand ein weiteres, diesmal dreitägiges Camp auf dem Außengelände bei SPOKUSA e.V. statt. Es war bewusst kleiner gehalten und hatte den Charakter eines künstlerischen Arbeitstreffens, um weitere Aktivitäten zu generieren.

In 2019 findet ein weiteres Sommercamp statt. Vom 12. – 14. September laden wir nach Polle an die Weser ein. Schau doch mal vorbei! http://www.die-blaue-zone.de/veranstaltungen

Projektpartner*innen

SPOKUSA e.V. ist ein Verein für Sport, Kultur und Soziale Arbeit. Der Bereich SPOKUSA.Interkultur arbeitet für und mit Migrantinnen und bietet ein breites Spektrum an Bildungsangeboten, Projekten und Aktivitäten für die diverse Nachbarschaft in der Nordstadt von Hannover.

Das Kulturzentrum Pavillon, BI Raschplatz e.V., macht Kultur und Politik, ca. 1000 Veranstaltungen pro Jahr; der Pavillon ist eines größten Zentren bundesweit. Das Programm umfasst Konzerte, Theater, Kabarett und gesellschaftspolitische Veranstaltungen, Tagungen, Vorträge, Diskussionen und bis zu drei große Projekte im Jahr.

Das Projektteam, bestehend aus Dörte Redmann von SPOKUSA e.V. sowie Hanne Bangert und Susanne Müller-Jantsch vom Kulturzentrum Pavillon, arbeitet seit der ersten Idee 2015 kontinuierlich und begeistert zusammen.